Erwin, der Zauberer 1 v. 9

Tief im Lande des Kaiserreiches Müttelbormeringen lebte einst ein Zauberer. Rein äußerlich gesehen ein nicht unbedingt bedeutsam anzusehender kleiner Mann mit einem langen Bart, zwei Armen und zwei Beinen. Dieser war nicht nur des Lesens und Schreibens mächtig, nein, er war auch in der Lage, Dinge zu tun, die normalen Menschen verwehrt blieben. Er konnte zaubern. Und das war auch gut so, denn ansonsten hätte er sich nicht Zauberer schimpfen dürfen. Rein theoretisch hätte er das zwar schon tun können, jedoch wäre es sehr peinlich geworden, falls gewisse Dinge passierten, die es mittels Magie zu beeinflussen gegolten hätte.

Da der Zauberer jedoch wirklich ein Zauberer war, hatte er auch dementsprechend gewisse Zauberutensilien, die nur Zauberern vorbehalten sind. Ein großer spitzer Hut in einer dunklen Farbe mit glitzernden Sternen zierte seinen Kopf. Seinen Körper hüllte er in einen Mantel in derselben Farbe wie sein Hut. Diese Dinge schafften es tatsächlich, ihm eine ordentliche Portion Seriosität zu verleihen. An seinem Gürtel befanden sich zwei Dinge. Zum einen sein ganz persönlicher Zauberstab, ohne den er niemals das Haus verließ und mit dem er gern und viel zauberte. Zum anderen ein kleines Fläschchen mit selbstgebrautem Schnaps, denn der Zauberer hatte schon des längeren ein Alkoholproblem.

Leider war bei ihm der Drang zum Zaubern größer als sein eigentliches Können. So kam es denn nun, dass der Zauberer gebeten wurde, für ein Fest zu Ehren des Kaisers, ein großes Feuerwerk zu veranstalten. Lange Zeit bereitete sich der Zauberer Erwin, das war übrigens sein Name, auf dieses Fest vor und las jeden Zauberspruch, den er in der Bibliothek des Königs finden konnte und der etwas mit Feuerwerken, Pyrotechnik oder Schwarzpulver aus China zu tun hatte.

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Oma und die Bürokratie 1 v. 4

Liebes Tagebuch, gestern war ein komischer Tag. Der erste Schultag nach den Ferien. Ich hab sogar was kapiert. Das war zwar auch komisch, aber nicht so komisch wie die 24h, die darauf folgen sollten. Als ich nämlich aus der Schule ging, stellte ich fest, dass sich mein Geldbeutel nicht mehr am gewohnten Platz befand. Genauer gesagt, er befand sich an keinem Platz mehr, den ich irgendwie hätte entdecken können. Er war weg. Verloren haben konnte ich ihn allerdings nicht. Denn kurz vorher war er ja noch da. Bei mir. Und dann nicht mehr. Ich glaube, er wurde gestohlen. Es gibt so viele böse Menschen, da ist das gar nicht mal so abwegig, dass ein Geldbeutel geklaut wird. Wie dem auch sei, ich bin dann erst mal nach Hause gefahren und hab mich natürlich drüber aufgeregt. Dann schlief ich aber nach erfolgreicher Onanie ein.

Heute Morgen bin ich gleich zur Polizei gegangen, um den bösen Dieben zu zeigen, dass das so nicht geht. Der Polizist meinte, ich müsse mich ausweisen. Da sagte ich, das sei unmöglich, mein Personalausweis war ja in dem Geldbeutel. Er fragte, ob ich was anderes dabei hätte, um mich zu legitimieren. Im Kopf ging ich folgendes durch: Perso weg, Führerschein weg, Schülerausweis weg, Bahncard weg, Schülerticket weg, Krankenkassenkarte weg, Biblioausweis weg.

Nein, sagte ich. Da meinte er, das sei so nicht richtig. Das weiß ich auch, meinte ich und ging wieder, da ich dachte, es sei wohl erstmal besser ins Bürgerbüro zu gehen und zu schauen, was die so tun können. Dort angekommen und die Lage geschildert, fragte mich die nette Auszubildende mit dem dicken Pickel auf der Backe, ob ich mich denn ausweisen könne. Nein sagte ich und sie meinte, sie bräuchte meine Geburtsurkunde.

Ich weiß, dass diese im Tresor zuhause liegt. Also ging ich nach Hause. Jedoch wusste ich nicht, wo der Schlüssel für besagten Stahlschrank sich befand. Also rief ich meine Eltern an und schilderte die Lage. Meine Mama meinte, ich könnte immer zu ihr kommen, wenn ich Probleme habe. Nun, ich hatte ein Problem und sie war irgendwo an der italienischen Grenze. Und hatte den Tresorschlüssel mit dabei. Sie sagte, ich krieg das schon hin. Bin ja schon groß. Und ich soll nicht vergessen, den Müll heut Abend rauszustellen. Morgen ist sie wieder da. Glaubt sie zumindest.

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