Das letzte Gefecht

General Sherman lag auf der Lauer. Aus dem Graben heraus drang ein unerträglicher Gestank. Körper um Körper stapelte sich und verpestete die Luft. Der letzte Krieg, hieß es. Danach in die Heimat hieß es. Die Vergonier waren stark. Seit Monaten schlugen die Pretoxidbomben in die Wohnhäuser der umliegenden Dörfer ein. Doch dieses hier sollte das letzte Gefecht werden.

Zu viele hatten sich dem Feind schon ergeben. Zu viele waren übergelaufen, um ihr eigenes, beschissenes Leben zu retten.

General Sherman stieg über die zerschundenen Körper aus dem Graben und rannte in Richtung der sich entfernenden Armee. Niemand hatte ihn in der Dunkelheit bemerkt. Der Sprengstoffgürtel war fest verdrahtet, so dass ihm die Erschütterungen eines Sprints nichts anhaben konnten. Sherman reihte sich in die Linien der feindlichen Kämpfer ein. Solange er sich in derselben Geschwindigkeit bewegen würde wie sie, würden ihre Sinnesorgane ihn nicht bemerken.

Scharf machen, entfernen, per Funk auslösen. Kein Problem, hieß es beim Briefing. Sherman macht das schon. Und die Explosion würde so ziemlich alles in Trümmern reißen, was von der Armee übrig war.

Sherman drückte den Knopf. Er blickte zum Bunker, in dem seine Kameraden den Sieg erwarteten. In dem sie ihn bei seiner Rückkehr wie einen Helden feiern würden. Und wie sie nun in einer gewaltigen Explosion in die Luft flogen und in den Tod gerissen wurden.

Zu viele waren übergelaufen, um ihr eigenes, beschissenes Leben zu retten.

Seines hatte er gerade gerettet.

Er reihte sich wieder in die Linien der feindlichen Armee ein.

Metalgnome 1 v. 15

Diese unsere bekannte Welt, in der ein jeder vor sich hinlebt, seinem Alltag nachgeht und – manchmal mehr schlecht als recht – diesen versucht zu meistern, ist die unsere vertraute. Die Geborgenheit, die diese Welt ausstrahlt, setzt sich in den Gedanken und Gefühlen der Menschen fest, so dass diese in ihrem Verständnis für darüber hinaus gehende Ereignisse, Situationen und Emotionen gewissen Wesen aus der Vielzahl der andersartigen Welten, fast schon als bekümmert erscheinen müssen. Die, bestimmt nicht bewusst erlebte, jedoch schon seit an Beginn der Neuzeit praktizierte Ignoranz, die die Menschheit dabei an den Tag legt und immer weiter entwickelt, behindert den Menschen darin, eben erwähnte andere Welten überhaupt wahr nehmen zu können. Geschöpfe dieser andren Welten erscheinen so im Laufe der Zeit nur noch als Legenden und Mythen in Büchern. Da gibt es Feen, Hexen, Zauberer, Zwerge, Einhörner oder Kobolde. Sie alle haben mit den Menschen zusammen auf der Erde gelebt, solange bis die Menschen sich nur noch mit sich selbst beschäftigten und keine Zeit mehr fanden, ihre Augen und Ohren für diese Wesen offen zu halten. Dadurch verschwanden diese Geschöpfe aus der uns sichtbaren Welt, in eine andere, unsichtbare Dimension jenseits unserer Vorstellungskraft. Doch manchmal, ganz selten allerdings, passiert es, dass einige dieser Kreaturen wieder in unsere Welt zurückkehren. Des Öfteren hört man beispielsweise von Sichtungen großer, haariger Affenmenschen in den Alpen, oder von filigranen Stimmen auf den Feldern in Island, die Elfen oder Feen zugeordnet werden. Die Mystik, die von diesen Geschöpfen ausgeht, verstand es schon immer, die Phantasie der Menschen zu beflügeln und in den seltensten Fällen kann man auch von einer gegenseitigen Symbiose sprechen, in der manch mystische Geschöpfe mit den Menschen zusammen leben.

2 v. 15

Erwin, der Zauberer 1 v. 9

Tief im Lande des Kaiserreiches Müttelbormeringen lebte einst ein Zauberer. Rein äußerlich gesehen ein nicht unbedingt bedeutsam anzusehender kleiner Mann mit einem langen Bart, zwei Armen und zwei Beinen. Dieser war nicht nur des Lesens und Schreibens mächtig, nein, er war auch in der Lage, Dinge zu tun, die normalen Menschen verwehrt blieben. Er konnte zaubern. Und das war auch gut so, denn ansonsten hätte er sich nicht Zauberer schimpfen dürfen. Rein theoretisch hätte er das zwar schon tun können, jedoch wäre es sehr peinlich geworden, falls gewisse Dinge passierten, die es mittels Magie zu beeinflussen gegolten hätte.

Da der Zauberer jedoch wirklich ein Zauberer war, hatte er auch dementsprechend gewisse Zauberutensilien, die nur Zauberern vorbehalten sind. Ein großer spitzer Hut in einer dunklen Farbe mit glitzernden Sternen zierte seinen Kopf. Seinen Körper hüllte er in einen Mantel in derselben Farbe wie sein Hut. Diese Dinge schafften es tatsächlich, ihm eine ordentliche Portion Seriosität zu verleihen. An seinem Gürtel befanden sich zwei Dinge. Zum einen sein ganz persönlicher Zauberstab, ohne den er niemals das Haus verließ und mit dem er gern und viel zauberte. Zum anderen ein kleines Fläschchen mit selbstgebrautem Schnaps, denn der Zauberer hatte schon des längeren ein Alkoholproblem.

Leider war bei ihm der Drang zum Zaubern größer als sein eigentliches Können. So kam es denn nun, dass der Zauberer gebeten wurde, für ein Fest zu Ehren des Kaisers, ein großes Feuerwerk zu veranstalten. Lange Zeit bereitete sich der Zauberer Erwin, das war übrigens sein Name, auf dieses Fest vor und las jeden Zauberspruch, den er in der Bibliothek des Königs finden konnte und der etwas mit Feuerwerken, Pyrotechnik oder Schwarzpulver aus China zu tun hatte.

2 v. 9