Der Tag begann mit einem Brief.
Nicht einem gewöhnlichen Brief. Sondern einem Rückmeldeformular der Realität selbst.
„Sehr geehrter Herr Varm“, las Vortak laut, „bitte bestätigen Sie durch Ihre Unterschrift, dass Sie mit den heutigen Begebenheiten einverstanden sind.“
Er blinzelte. Darunter war eine Liste:
– Spontane Gravitationserhöhungen: 2x
– Gespräche mit Wandtexturen: optional
– Emotionale Umkehr zwischen 14:00–15:00 Uhr
„Was passiert, wenn ich nicht unterschreibe?“, murmelte Vortak.
„Dann improvisieren wir“, krächzte der Brief.
Im Büro hing das Raum-Zeit-Gitter leicht schräg. Der Aufzug bestand auf Gedichtrezitation als Passwort. Vortak versuchte es mit einem Haiku.
„Zu vage“, nörgelte der Aufzug und schloss beleidigt.
Der Vormittag verging in Zeitlupe, weil das Zeiterfassungsfeld versehentlich auf „emotionales Dehnen“ gestellt worden war. Kollegen weinten bei der Kaffeemaschine. Vortak trank Tee. Sein Teebeutel gab Orakelsprüche von sich.
„Heute stirbt ein Plan“, flüsterte er.
Am Nachmittag bekam er Besuch von einem Inspektor der Plausibilitätsbehörde.
„Sie wurden bei der Realität als störend gemeldet.“
„Ich arbeite nur hier“, sagte Vortak.
„Genau das steht zur Diskussion“, antwortete der Inspektor.
Nach mehreren Rückfragen, in denen Vortak beweisen musste, dass er *nicht* der Verursacher des spontanen Regenschirmschneefalls in der Poststelle war, wurde er freigesprochen – unter Auflagen.
Abends fand er auf seinem Kopfkissen einen Zettel:
„Tag 317: Realität bestätigt. Weiterhin fragwürdig, aber tragbar.“
Vortak schlief ein. Ohne Zustimmung.