Raum 3b war nicht mehr nur ein Raum.
Er hatte sich verändert. Die Wände waren breiter geworden – nicht räumlich, sondern erzählerisch. Die Schatten waren klarer, die Stühle wirkten beschriebener. Und auf dem Tisch lag ein Manuskript.
Nicht aus Papier. Aus Möglichkeit.
„Was ist das?“, fragte Lula.
Asterisk trat vorsichtig näher. „Das ist das Zentrum.“
„Das Zentrum von was?“, fragte Bratzl.
„Von allem, was gesagt werden könnte.“
Knorp betrachtete das Manuskript. Es war leer. Und doch vibrierte es.
„Wer hat es geschrieben?“, fragte er.
„Noch niemand“, antwortete Ylli. „Aber es ist… offen.“
Die Gruppe trat näher. Niemand sprach. Jeder wusste: Dies war keine Szene mehr. Dies war ein Ursprung.
Der Antrag auf Hauptfigurenschaft war nie zurückgekommen. Er war Teil des Manuskripts geworden. Teil von allem, was nun möglich war.
„Wenn wir da hineingehen…“, begann Lula.
„…verlieren wir vielleicht, was wir waren“, beendete Bratzl.
Ylli schüttelte den Kopf. „Oder wir werden, was wir immer schon sind.“
Asterisk flackerte. „Aber das hat Konsequenzen. Ihr seid nicht mehr sicher. Nicht mehr geschützt durch Nebensätze. Ihr werdet… gesehen.“
„Vielleicht ist das okay“, sagte Knorp. „Vielleicht ist Gesehenwerden nicht das Ziel. Vielleicht reicht es, erzählt zu werden. Auf unsere Weise.“
Sie setzten sich um das Manuskript.
Keiner schrieb.
Aber alle erzählten.
Nicht laut. Nicht mit Stimme. Sondern mit Gegenwart.
Die Geschichte begann zu wachsen – nicht in eine Richtung, sondern in viele. Randnotizen wurden Kapitelanfänge. Rückblicke wurden Prologe. Ein einziger Ausruf wurde zum Wendepunkt.
Und Raum 3b wurde nicht mehr betreten.
Denn er war nun überall dort, wo jemand glaubte, keine Rolle zu spielen.
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*ENDE DER STAFFEL 1*