Bratzl war verschwunden.
Er war nicht fort – nur… nicht mehr da. Raum 3b fühlte sich leer an, obwohl alle Plätze besetzt waren. Selbst der Platz, an dem er sonst gestanden hatte, wirkte jetzt wie ein Fragment.
„Er wurde… zitiert“, sagte Asterisk sachlich.
„Wie zitiert?“, fragte Knorp.
„Ein Autor hat ihn aufgegriffen. Für einen anderen Text.“
Lula klammerte sich an ihren Ball. Der war nun durchscheinend.
„Kann er zurück?“, flüsterte sie.
Asterisk sah sie lange an.
„Nur wenn der Text ihn freigibt.“
Ylli stand auf. Ihr Notizbuch in der Hand, ein Bleistift wie ein Schlüssel. „Ich gehe ihn holen.“
„Du kannst nicht einfach in eine andere Geschichte eindringen“, warnte Asterisk.
„Ich kann. Ich tue es schon mein ganzes Leben lang.“
Sie verschwand zwischen zwei Seiten. Wörtlich.
Bratzl, der Marktschreier, befand sich derweil in einer Kriminalgeschichte. Er war dort – wieder – nur ein Nebensatz. Ein Warnruf in einer Gasse. Doch diesmal blieb der Satz stehen. Jemand fragte: „Was meint er damit?“ Und dann bekam er eine Dialogzeile. Eine echte.
Ylli fand ihn dort. Zwischen zwei Kapiteln. Bratzl hatte Tränen in den Augen. „Sie hören mir zu.“
„Willst du bleiben?“, fragte Ylli.
Er schwieg.
„Du darfst“, sagte sie leise. „Aber dann bist du nicht mehr Rand. Dann bist du… eingebunden.“
Bratzl dachte lange nach. Dann trat er zur Seite. „Nicht heute.“
Als er wieder in Raum 3b stand, atmete niemand. Lula ließ ihren Ball los. Der wurde wieder rot.
„Willkommen zurück“, sagte Knorp.
Bratzl setzte sich. Ohne Schal. Ohne Pose.
Einfach: da.